
DJEM 2026: 8. Runde

Altersklasse U16: Nervenschlacht an Brett 1 – Königshatz bis zur A-Linie endet im spektakulären Remis
Im ultimativen FM-Gipfeltreffen der 8. Runde forderte der Sontheimer FM Neil Albrecht mit den weißen Steinen den alleinigen Tabellenführer FM Alfred Nemitz vom USV Potsdam. Was folgte, war kein vorsichtiges Taktieren, sondern ein historischer Schlagabtausch, der den Zuschauern den Atem raubte.
Die Partie begann zunächst klassisch: Beide Kontrahenten wählten das Vierspringerspiel. Doch Neil setzte mit dem ambitionierten Zug 4. Bb5 sofort ein Ausrufezeichen und wählte die theoretisch anspruchsvollste Variante. Der Potsdamer Spitzenreiter Nemitz zeigte sich keineswegs eingeschüchtert, suchte seinerseits mit dem späteren Lg4 die Flucht nach vorne und rochierte wenig später mutig und aggressiv lang. Ab diesem Moment war das Brett ein einziges Minenfeld.
In der Folge explodierte die Stellung förmlich: Nemitz packte die Brechstange aus und opferte spektakulär eine ganze Qualität, um einen mörderischen Angriff gegen die weiße Festung zu inszenieren. Es entwickelte sich eine dramatische Hetzjagd auf Neils Monarchen. Unter einem Hagel von Schachgeboten wurde der weiße König quer über das Brett gejagt – bis er schließlich Zuflucht auf der äußersten a-Linie fand.
Doch dort angekommen, zeigte sich Neils ganze Klasse und Kaltblütigkeit: Der König stand plötzlich wie eine Eins, und die schwarzen Angriffsressourcen waren erschöpft. Da Neils eigene Figuren bereits zum tödlichen Gegenschlag bereitstanden, stand Nemitz plötzlich mit dem Rücken zur Wand. Um die Partie nicht komplett einzustellen und den Verlust der Tabellenführung zu riskieren, musste der Potsdamer in die Notbremse greifen und das Dauerschach erzwingen.
Nach einem atemberaubenden Partieverlauf endete dieser Gigantenkampf somit mit einer hochverdienten Punkteteilung. Ein Ergebnis, das dem Potsdamer als aktuellen Spitzenreiter im Turnierverlauf sicherlich nicht ganz unrecht sein dürfte, Neil aber alle Chancen offenlässt. Mit nun 5,5 Punkten bleibt der Sontheimer FM dem Führenden dicht auf den Fersen. Die endgültige Entscheidung um die deutsche Schachkrone fällt nun in der absoluten Schlussrunde!
Altersklasse U14: Nerven aus Stahl – Ben Kaufmann stellt Rettungsfalle in der Stresshölle
Mit dem heroischen Rückenwind seines spektakulären Damenfangs vom Vortag ging Ben Kaufmann (4,0 Punkte) hochmotiviert in die 8. Runde. Mit den weißen Steinen wollte der Sontheimer nachlegen, um sich endgültig in den Top-Rängen der U14 festzubeißen.
Gegen die zähe Caro-Kann-Verteidigung seines Kontrahenten wählte Ben die scharfe Vorstoßvariante und sprengte den Damenflügel im Mittelspiel mit den Hebeln b3 und a4 meisterhaft auf. Der gegnerische König geriet so unter Druck, dass er über das gesamte Brett getrieben wurde. Ben behielt die Initiative und öffnete im richtigen Moment mit exf6 auch noch den Königsflügel. Es entwickelte sich ein hochgradig komplexes, schweres Spiel voller taktischer Minen.
Als die Bedenkzeit schließlich unbarmherzig unter die kritische 5-Minuten-Marke stürzte, passierte das Unglück: In akuter Hektik unterlief Ben im 27. Zug mit Ld4 ein bitterer Fehler, der den gesamten mühsam herausgespielten Vorteil zunichtemachte. Ab diesem Moment war die rechnerisch ausgeglichene Stellung für einen Menschen auf dem brennenden Brett eine reine Stresshölle.
Doch was Ben in der Folge leistete, war ganz großes Kino. Inmitten des Sekunden-Dramas behielt er einen kühlen Kopf und konstruierte eine geniale psychologische Rettungsinsel: Er bot dem Gegner scheinbar die Möglichkeit, mit dem Springer den weißen Läufer auf e2 abzugreifen – wohlwissend, dass dies die schwarze Deckung entscheidend schwächen würde. Der Gegner fraß gierig den Köder, und Ben zog die Falle eiskalt zu! Mit seiner Dame startete der Sontheimer ein unaufhaltsames Dauerschach, aus dem es kein Entrinnen mehr gab. Die Partie endete mit einem hart umkämpften, heroischen Remis.

Schachliche Randnotiz: Die nachträgliche Computer-Analyse offenbarte das ganze, absurde Drama dieser Schlussphase. Mit dem absolut unmenschlichen Zug Sb4 hätte Ben die Stellung trotz einer zwischenzeitlichen Minusfigur dank eines versteckten Mattangriffs sogar noch gewinnen können. Doch eine solche Computer-Variante in akuter Zeitnot und mit fallendem Blättchen auf dem Schirm zu haben, grenzt an Unmöglichkeit. Das gerettete Remis ist unter diesen Umständen ein riesiger Erfolg für die Moral!


