DJEM 2026: 4. Runde

Altersklasse U16: Taktisches Turmopfer zwingt Neil Albrecht ins Dauerschach

Nach seinem gestrigen Glanzsieg gegen Oscar Vranckx ging Neil Albrecht (U16) mit viel Selbstvertrauen und 2,0 Punkten auf dem Konto in die vierte Runde des Turniers. An Brett 4 genoss er den Anzugsvorteil und trat mit den weißen Steinen gegen Thanh An Nguyen (DWZ 2119) vom SV Dresden-Striesen an. Nguyen hatte bisher ebenfalls 2,0 Zähler auf dem Konto verbuchen können.

Für Neil war sein Kontrahent dabei keineswegs ein Unbekannter: Die beiden standen sich erst kürzlich im Dezember 2025 bei der DVM U14 im vogtländischen Plauen am Brett gegenüber. Damals trennten sie sich mit vertauschten Farben nach einem harten Kampf mit einem Unentschieden.

Am Dienstagmorgen kam es auf dem Brett zu einem psychologisch hochinteressanten Duell: Nguyen wählte mit den schwarzen Steinen ausgerechnet die scharfe Najdorf-Variante der Sizilianischen Verteidigung – genau jene Eröffnung, mit der Neil selbst nur eine Runde zuvor am Vortag den vollen Punkt geholt hatte. Neil war somit bestens im Bilde und versuchte von Beginn an, den theoretischen Vorteil der weißen Steine zu nutzen. Es entwickelte sich von Beginn an eine sehr scharfe Partie, in der beide Seiten mit offenem Visier agierten und die taktischen Klingen kreuzten.

Im Mittelspiel übernahm Neil das Kommando und übte ordentlich Druck auf den noch unrochierten König seines Gegners aus. Die Angriffsstellung sah extrem vielversprechend aus. Doch im Zuge des eigenen, intensiven Angriffs übersah Neil leider eine versteckte, taktische Ressource des Dresdners: Nguyen packte im 35. Zug ein überraschendes Turmopfer auf b2 aus. Nach 39. Ka1 erzwang Schwarz mit der Dame auf c2 und c3 ein unentrinnbares Dauerschach. Da jeder Versuch, mit dem König auf die a-Linie zu flüchten, zu massivem Materialverlust geführt hätte, fügte sich Neil in das Unvermeidliche. Die beiden Kontrahenten trennten sich schließlich mit einem Remis.

Auch wenn nach dem gestrigen Erfolg ein weiterer voller Punkt im Bereich des Möglichen lag, behält Neil mit nun 2,5 Punkten aus 4 Partien voll den Anschluss nach ganz vorne. Schützenhilfe gab es nämlich von der absoluten Tabellenspitze: Die Spitzenbegegnung zwischen den beiden Titelträgern FM Alfred Nemitz und FM Jakob Herrmann endete ebenfalls mit einem Unentschieden. Damit bleibt das Spitzenfeld eng zusammen und Neil ist mittendrin im Kampf um die vorderen Platzierungen.

Altersklasse U14: Brutaler Königsangriff bringt Ben Kaufmann den ersten Turniersieg

In der U14 wollte Ben Kaufmann (1,0 Punkt aus drei Partien) nach seinem gestrigen französischen Marathon und dem Remis gegen Nicolas Wagener nun voll auf Sieg spielen. In der morgendlichen vierten Runde genoss er an Brett 14 den Anzugsvorteil und trat mit den weißen Steinen gegen Lian König (DWZ 1510) von den SF Schwerin an.

Ben wählte in der Eröffnung das ambitionierte Schottische Gambit. Mit dieser scharfen und opferfreudigen Variante übernahm er früh die Initiative und konnte sich von Anfang an einen minimalen, aber spürbaren Vorteil sichern. Nach dem gegnerischen Fehler 14… Sa5 fackelte Ben nicht lange und baute mit seinen beiden harmonierenden Läufern und der Dame einen unwiderstehlichen Königsangriff auf. Die weißen Figuren drangen entscheidend in die schwarze Festung ein, woraus sich der Gegner nicht mehr erholen konnte. Nach dem finalen Zug 20. Qh6 stand Schwarz vor einem unparierbaren Matt und musste die Partie aufgeben.

Damit feiert Ben seinen ersten hochverdienten Sieg im laufenden Turnier und weist nun mit 2,0 Punkten aus 4 Partien ein ausgeglichenes Punktekonto auf. An der absoluten Tabellenspitze gab es derweil Schützenhilfe für die Verfolger, da erneut wichtige Punkte liegen gelassen wurden: Der topgesetzte Turnierfavorit Mykhailo Nezhyvenko (DWZ 2225) kam an Brett 2 ebenso wenig über ein Remis hinaus wie der an Position 3 gesetzte FM Edward Bundan (DWZ 2092) an Brett 11. Da auch Bundan nach diesem Unentschieden nun bei ebenfalls 2,0 Punkten steht, bleibt das Verfolgerfeld extrem eng zusammen, was Ben für den weiteren Turnierverlauf alle Chancen offenlässt.

Sonne tanken und Teamfoto: Erholung am Nachmittag vor der großen Doppelrunde

Da am heutigen Dienstag erfreulicherweise keine Nachmittagsrunde auf dem Spielplan steht, heißt es für die Spieler erst einmal durchatmen. Nach getaner Arbeit am Vormittag steht der restliche Tag ganz im Zeichen der Regeneration. Für die gesamte württembergische Delegation geht es ab 14:00 Uhr gemeinsam nach draußen, um bei bestem Wetter ein wenig Sonne zu genießen, den Kopf komplett vom Schachbrett freizubekommen und sich das wohlverdiente Eis schmecken zu lassen.

Im Rahmen dieses entspannten Nachmittags wird auch das gemeinsame Delegationsfoto geschossen, um das Team im Bild festzuhalten und den starken Zusammenhalt zu dokumentieren.

Diese gemeinsame Pause ist bitter nötig, um die Energiespeicher noch einmal randvoll aufzuladen: Am Mittwoch wartet auf die Denksportler die letzte, extrem kräftezehrende Doppelrunde des Turniers, die im Kampf um die vorderen Platzierungen eine Vorentscheidung bringen dürfte.

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